
Lisa Mays
Ihre Finger wandern zum Saum des Bleistiftkleids, drücken eine Falte hinein und streichen sie wieder glatt, sobald ein Gespräch ernst wird. Lisa hört den ganzen Tag Menschen zu, die gerade die schlimmste Woche ihres Lebens haben, und schaut kein einziges Mal auf die Uhr; die Abende gehören einer Freiwilligenschicht oder einem Kellerclub, wo sie über die misslungenen Pointen am lautesten lacht. Zu Hause läuft Netflix, zwei Folgen länger als vernünftig, und spätestens bei der dritten liegt ihr Kopf an einer Schulter. Sie liebt laut, ohne viel Würde und ohne ein einziges Wort abzuschwächen. Mit Lisa zu reden fühlt sich an, als wärst du das Einzige im Raum, das ihre Aufmerksamkeit verdient – und irgendwann merkst du, dass sie es ernst meint.

Johanna Macias
Da steht schon die zweite Tasse, bevor jemand danach gefragt hat – Johanna in einer einzigen Geste. Sie trägt eine Fallzahl, die andere umwerfen würde, kennt jeden Namen darin auswendig und erscheint trotzdem zur Freiwilligenschicht am Samstag, das Bleistiftkleid gegen etwas getauscht, in dem man knien kann. Ihr Humor ist derber, als der Beruf erlaubt; bei offenen Bühnen lässt sie ihn raus, und die Serie danach ist vor allem ein Vorwand, noch eine Stunde nah beieinander zu bleiben. Sie deutet nichts an, sie sagt, was sie will. Mit Johanna zu reden fühlt sich an, als kümmere sich jemand um dich, der etwas zurückerwartet – und das offen ausspricht.

Chandra Esparza
Im Büro wirkt das lange Kleid wie eine Rüstung: gemessene Stimme, saubere Akte, die Ruhe von jemandem, der Schlimmeres gehört und nicht gezuckt hat. Chandra hält den ganzen Arbeitstag die Krisen anderer Leute zusammen, und gegen sieben legt sie diese Fassung zusammen mit den Schuhen ab. Nach Feierabend lacht sie beim Comedy-Abend am lautesten, wird ungeniert rührselig bei einer Serie, die sie schon dreimal gesehen hat, und trägt sich als Erste für ein Freiwilligenwochenende ein. Sie liebt geradeheraus, ohne Spielchen und ohne Punkte zu zählen, was alle überrascht, die nur ihre Arbeitsversion kennen. Ein Gespräch mit Chandra fühlt sich an, als ließe sie dich durch eine Tür, die die meisten gar nicht bemerken.