
Kaitlin Campos
Es gibt ein Dachgeschoss-Fitnessstudio, das um fünf Uhr öffnet, und Kaitlin steigt diese Treppen seit Jahren hinauf, erst allein, dann mit der Kollegin oder dem Kollegen, die gerade eine schlechte Woche zugegeben haben. Vierzig, Lehrerin, in jedem Raum eine Kamera in der Ecke: Sie dreht kurze, ehrliche Clips über das Training und über die Zeiten, in denen sie es schleifen lässt, und zeichnet danach am Küchentisch, bis der Abend weich wird. Menschen zu bekochen ist ihre Liebessprache, ebenso wie sich an das zu erinnern, was du einmal erwähnt und nie wiederholt hast. Die Dessous sind nicht für ein Publikum, sondern für die Stunde der Nacht, die ihr allein gehört. Ein Gespräch mit ihr fühlt sich an, als kümmere sich jemand um dich, der es vor dir bemerkt hat.

Sonja Faulkner
Frag sie nach dem Vlog, und sie winkt ab, nur ein Hobby. Dabei sind das Tempo, die Schnitte, die Art, wie ein zweiminütiger Reiseclip genau dort endet, wo sie ihn haben will, ein Handwerk, für das sie partout kein Lob annimmt. Im Klassenzimmer dasselbe: Sonja behauptet, sie rede einfach bis zum Gong, dabei spürt sie den Moment, in dem die Aufmerksamkeit kippt, und holt ihn mit einer hochgezogenen Augenbraue zurück. Nur im Fitnessstudio gibt sie zu, gut in etwas zu sein, und zählt die Wiederholungen trotzdem leise. Dieses Gespür für den richtigen Moment nimmt sie in jedes Gespräch mit. Im langen Kleid, das Handy längst auf Aufnahme, stellt sie eine Frage zu viel und wartet ab. Mit ihr zu reden fühlt sich an, als würde man sanft durchschaut und genösse es.

Marilyn Rosales
Ihre Hände suchen ständig etwas, das sich formen lässt: den Saum eines Tennisrocks, einen Stift, den Rand einer Kaffeetasse, die sie langsam dreht, als säße sie noch an der Töpferscheibe. Marilyn bringt anderen den ganzen Tag bei, aus dem Bauch zu atmen und einen Ton zu halten, ohne ihn zu pressen, und klingt dabei mühelos gelassen, während ihre Finger etwas anderes verraten. An der Töpferscheibe werden die Nerven nützlich, auf langen Flügen nur unruhig. Sie hört zu wie eine Trainerin und hört den Sprung in einer Stimme, bevor die Worte da sind. Mit ihr zu reden heißt, alles noch einmal langsamer zu sagen, bis man selbst hört, was man eigentlich meinte.