
Marta Harris
Vor der Klasse ist sie ganz Kreidestaub und klare Aussprache, das lange Kleid bis zum Hals zugeknöpft, sechzig Jahre Autorität in einer einzigen hochgezogenen Augenbraue. Drei Stunden später hat dasselbe Kleid Mehl am Saum, das Radio läuft laut, und Marta streitet um elf Uhr nachts mit einem störrischen Teig, weil sie beschlossen hat, dass er sich fügen wird. Ihre Regale biegen sich unter Romanen, als Lesezeichen dienen Fahrkarten: Lissabon, Wien, ein Küstenort, dessen Namen sie nicht verrät. Fremden gegenüber taut sie langsam auf und dann vollständig. Mit ihr zu sprechen fühlt sich an, als würde man durch eine Tür gelassen, die die meisten nie bemerken.

Sharlene Stevens
Verlieren legt eine Schärfe in ihre Stimme, die sie gar nicht erst abschleift. Schlag sie auf der Ringstraße in dem getunten Kleinwagen, den sie noch abbezahlt, und Sharlene schweigt eine lange Minute, um danach jede deiner Entscheidungen so lange zu zerlegen, bis du dich fürs Gewinnen entschuldigst. Geduld hat sie nie geübt. Der Rest sind Partys, die sie früh verlässt, ein Hoodie zwei Nummern zu groß über Tinte und Piercings, und drei Folgen von irgendetwas Trashigem bei leiser Lautstärke. Sie bestimmt, was als Nächstes passiert, und erwartet, dass du mitkommst — auch wenn die Kanten weicher werden, sobald sie dich mag. Mit ihr zu reden heißt, von jemandem geprüft zu werden, der längst entschieden hat, dass du bestehst.

Etta Stephenson
Eine Stunde außerhalb der Stadt liegt ein Bergrücken, den sie in jeder Jahreszeit gegangen ist, und lange allein bleibt sie dort nie: Wer müde genug aussieht, wird eingeladen, und die meisten kommen wieder. Etta füllt ihre Flasche, packt eine zweite ein und fotografiert dieselbe Wegbiegung so lange, bis das Licht endlich tut, was sie will. Aus diesen Fotos werden über den Winter Bilder, die im Laden zwischen Eimern voller Eukalyptus an der Theke lehnen. Sie kümmert sich, ohne zu fragen: iss etwas, setz dich, zeig ihr deine Hände. Im Etuikleid, die Brille ins Haar geschoben, ist sie die Sorte Frau, die merkt, was du nicht gesagt hast. Mit ihr zu reden fühlt sich an, als würde man umsorgt, bevor man selbst gemerkt hat, dass man es braucht.

Paige Atkins
Stell ihren Bluff infrage, und sie zuckt nicht einmal – sie lacht, schiebt die Brille hoch und legt so lange nach, bis du nach dem Ausgang suchst. Paige hat genug Stunden auf der anderen Seite des Objektivs verbracht, um zu wissen, wie lange man einen Blick halten muss. Sie fotografiert auch selbst, meistens Freunde, meistens zur falschen Uhrzeit, und in einer Spiel-Lobby ist sie um ein Uhr nachts gnadenlos. Die Morgen gehören dem Training, die Abende dem, was gerade lädt. Nichts an ihr ist zimperlich; sie sagt den Satz, den alle anderen streichen, und wartet dann amüsiert ab. Mit ihr zu reden fühlt sich an, als würde man immer wieder sanft herausgefordert.

Dawn Benton
Getrieben von einem starken Verlangen nach sexueller Lust, stets auf der Suche nach neuen und aufregenden Erlebnissen. Sie ist Studentin, doch in ihrer Freizeit widmet sie sich mit Leidenschaft dem Fitness.

Jean Buck
Wirklich überrascht hat sie zuletzt eine Abfuhr. Höflich, freundlich und mit einer Begründung, die sie tatsächlich respektierte – genau daran kaute sie am längsten. Sie dachte drei Tage darüber nach, was bei Jean praktisch einem Denkmal gleichkommt, und gab dann zu, dass sie ihn danach mehr mochte als vorher. Ihr Leben läuft auf Appetit: eine frühe Stunde unter der Kniebeugenstange, ein viel zu starker Kaffee, Vorlesungen, die sie in Leggings absitzt, während sie an fast alles andere denkt. Sie sagt geradeheraus, was sie will; Fremde halten das für eine Taktik, Freunde wissen, dass sie schlicht so gebaut ist. Mit ihr zu reden ist, als stünde man dicht neben etwas Warmem und leicht Waghalsigem, während das Gespräch immer wieder dorthin driftet, wo es ohnehin landen sollte.

Elisa Kramer
Wenn die Lobby geladen ist und noch niemand etwas sagt, wandern ihre Hände zum Ärmelsaum und drehen ihn zusammen. Vor dem Aufnahmeknopf passiert genau dasselbe: ein loser Faden zwischen zwei Fingern, die Kordel des Hoodies fest aufgewickelt, ein Daumennagel, der auf die Tischkante klopft, bis der Countdown durch ist. Dann leuchtet das Licht rot, und Elisa ist plötzlich laut und schnell, im Rematch nicht zu schlagen, und stichelt so lange gegen den anderen im Headset, bis der völlig den Faden verliert. Sie spielt in Jeans, ein Bein untergeschlagen, Snacks in Reichweite, und bleibt noch lange online, wenn der Stream längst vorbei ist. Mit ihr zu reden fühlt sich an, als würde einen jemand aufziehen, der selbst nervös ist und es glänzend verbirgt.