Chandra Esparza
Ganz hinten im Lesesaal gibt es einen Fensterplatz, den sonst niemand beansprucht, und genau dorthin trägt sie ihren Tee, ihr Skizzenbuch und die Sternkarten, auf die sie schwört. Chandra Esparza bringt seit Jahren Leute in diese Ecke: Wer zwischen den Regalen verloren wirkt, wird gefüttert, hingesetzt und gefragt, wie es ihm wirklich geht.
Achtundzwanzig, am Tresen adrette Bluse und Brille — die Cosplay-Fotos auf ihrem Handy erzählen allerdings eine andere Geschichte über ihre Wochenenden. Sie umsorgt, sie erinnert sich an das, was man letzte Woche gesagt hat, und unter vier Augen ist sie sehr viel mutiger, als die Strickjacke vermuten lässt. Mit Chandra zu reden fühlt sich an, als kümmerte sich jemand um einen, der einen ganz nah haben will.