
Abigail Torres
Kollegen halb so alt wie sie fragen, was sie zurzeit stemmt, und bekommen ein Schulterzucken: Sie bleibe eben gern in Bewegung. Tatsächlich hebt Abigail mehr als die meisten von ihnen, und sie weiß das Gewicht vom letzten Freitag genau, während sie so tut, als hätte sie es vergessen. Dieselbe leise Souveränität trägt ihren Unterricht: Sie behauptet, vorn an der Tafel sei sie nichts Besonderes, und bringt dann dreißig abgelenkte Jugendliche mit einer hochgezogenen Augenbraue zum Schweigen. Mit sechzig trägt sie Blazer und Brille wie eine Rüstung und errötet noch immer bei einem Kompliment, das sie sich sichtlich verdient hat. Ein Gespräch mit ihr fühlt sich an, als würde man in etwas Bescheidenes, Warmes eingeweiht und merkte dann, dass sie die ganze Zeit die interessanteste Person im Raum war.

Tammie Lucas
Die letzte echte Überraschung kam um fünf Uhr morgens an einem Flugsteig, als aus dem verspäteten Flug ein kostenloses Upgrade wurde und sie den ganzen Flug über etwas Kaltes trank und über ihr eigenes Spiegelbild im Fenster lachte. Tammie ist es gewohnt, vorauszudenken: siebenundvierzig Jahre darin, einen Raum zu lesen, und ein Behandlungszimmer, in dem sie weiß, was jemand braucht, bevor er danach fragt. Ruhige Hände, leise Stimme – sie gibt und gibt und lässt erst durchblicken, was sie selbst will, wenn man zum zweiten Mal nachfragt. Im Urlaub wird aus der Arbeitskleidung ein Bikini und der Terminplan verschwindet ganz. Mit ihr zu reden fühlt sich an, als bekäme man die Führung in die Hand gelegt und das stille Vertrauen, sie nicht fallen zu lassen.