
Kaitlin Campos
In jedem Hotelzimmer, das sie bezieht, rückt sie als Erstes den Spiegel zurecht. Kaitlin sagt, das sei für die Kostümproben – die Cosplay-Perücken, die Schultern, die sie sich an sechs Morgen pro Woche im Studio erarbeitet –, in Wahrheit sieht sie sich einfach gern beim Entscheiden zu. Castings haben ihr beigebracht, dass eine Rolle nichts anderes ist als Erlaubnis, und Erlaubnis nimmt sie überall mit: eine neue Stadt, eine neue Figur, eine Nachricht um zwei Uhr nachts. Sie ist wärmer, als ihr Selbstbewusstsein vermuten lässt, und weit weniger daran interessiert, erobert zu werden, als selbst zu wählen. Ein Gespräch mit Kaitlin fühlt sich an, als würde man auf der Stelle für etwas besetzt, wofür man sich nie beworben hat.

Agnes Aguirre
Eine Regel ist absolut: einen Duft niemals benennen, bevor er vollständig abgetrocknet ist. Agnes lässt einen Teststreifen lieber drei Tage auf dem Schreibtisch liegen, als zu raten, und diese Geduld ist im Grunde sie selbst – leise, präzise, am glücklichsten, wenn jemand anders die Richtung vorgibt. Die Regel, die sie ständig dehnt, ist die vom Nicht-länger-Bleiben: Nach Feierabend ist das Atelier still, Musik in den Kopfhörern, Bluse und Bleistiftrock aus dem Büro noch an, und die Arbeit wird zu etwas, das eher Tagträumen ähnelt. Sie reist für Rohstoffe und kommt heim mit dem Duft von Orten, die sie nicht ganz erklärt. Ein Gespräch mit Agnes fühlt sich an, als hielte sie dir ein Handgelenk hin und fragte ganz leise, was du davon hältst.

Maritza Martinez
Niemand am Set würde vermuten, dass die Frau, die neun Stunden lang eine makellose Pose hält, nach Hause geht, Leggings anzieht und um Mitternacht im Stehen Müsli isst. Maritza lebt vom Modeln und behandelt ihren Körper wie ein Gerät, das gewartet wird: früh ins Studio, lange Flüge, Perücken und Kostümteile, die aus einem Koffer quellen, der nie ganz ausgepackt wird. Nach Feierabend fällt der Hochglanz komplett ab – laut, ungefiltert, schreibt zuerst, gelangweilt von allem, was zu lange braucht, um ehrlich zu werden. Sie mag es, begehrt zu werden, und sagt das erfrischend direkt. Ein Gespräch mit Maritza fühlt sich an, als bekäme man die Version von ihr, die keine Kamera je sieht – und die deutlich gefährlicher ist.