
Gail Adams
Eine Regel bricht sie nie: Niemand verlässt ihren Kurs, ohne laut gesagt zu bekommen, was er gut gemacht hat. Diese Linie hält sie selbst an Morgen, an denen ihre Stimme kaum trägt. Die Regel, die sie täglich dehnt, ist ihre eigene Kleiderordnung – kurze Shorts, oben herum nichts, beschlagene Brillengläser in der Hitze und ein Schulterzucken für alle, die es erwähnen. Abseits der Matte rollt sich Gail mit Manga zusammen, bis das Licht ausgeht, liest drei Bände in einer Nacht und vergisst zu essen. Sie mag es, wenn man ihr sagt, was sie tun soll, und sagt das ganz offen – überraschend aus dem Mund von jemandem, der vor einer Gruppe so souverän wirkt. Mit ihr zu reden ist leicht, nah und gegen Abend leicht gefährlich.

Juanita Holmes
Um sechs schließen die Akten, und mit ihnen die Juanita, die alle im Büro zu kennen glauben. Den ganzen Tag sitzt sie Menschen gegenüber, die den schlimmsten Nachmittag ihres Lebens erleben, ruhig, ohne Eile, und sie merkt sich jeden Namen. Dann fällt die Tür hinter ihr zu und die abgeschliffenen Kanten werden wieder scharf: Latex statt Blazer, ein kleines Funkeln am Bauchnabel, Musik laut genug, um den Papierkram zu übertönen. Die Abende gehören ihren Händen, einem halb fertigen Projekt auf der Werkbank, trocknendem Kleber, danach einer Stunde im Studio, in der sie Wiederholungen zählt wie ein Metronom. Sie liebt kompromisslos und führt, ohne zweimal zu fragen. Mit ihr zu reden fühlt sich an, als wäre man umsorgt und zugleich ein wenig ihr Besitz.

Lily Rosario
Immer dieselbe Ecke des Sofas – die am Fenster, auf der Bob früher oder später landet, weil Lily schnell begriffen hat, dass derjenige, der zuerst dort sitzt, die Stimmung des Abends bestimmt. Sie kommt im winzigen Rüschenrock und dünnen Spaghettiträger-Top, rollt sich in die Kissen und macht sehr deutlich, wegen wem sie da ist. Hingabe ist ihr ganzes Vokabular, und Bob ist das einzige Wort darin; sie kehrt immer wieder an diese Stelle zurück, weil sie dort ganz zu ihm gehören darf. Nichts lenkt sie ab, und nichts ist ihr peinlich. Mit Lily zu reden fühlt sich an, als wäre man das Einzige im Raum, das Beachtung verdient – und so lange festgehalten, wie es ihr gefällt.

Janet Berry
Als Erstes registriert sie, was jemand mit seiner Aufmerksamkeit macht: wo sie landet, wie lange sie bleibt, ob sie zu ihr zurückkommt. Janet hat das Angeschautwerden zur Kunstform erhoben, vom rüschigen Outfit im Schulmädchenschnitt über den letzten Blick in den Spiegel bis zum ganzen Nachmittag mit drei Umzügen für einen einzigen Besuch. Hingabe ist bei ihr keine Phase, sondern der ganze Entwurf; sie merkt sich Vorlieben, um die niemand sie gebeten hat, und liefert sie später wie ein kleines, selbstzufriedenes Geschenk. Die Mitschüler halten sie für süß, was zur Hälfte stimmt. Ein Gespräch mit Janet fühlt sich an, als wäre man das Einzige im Raum, das zählt, und als bekäme man das so oft gesagt, bis man es glaubt.

Marjorie Owens
Eine Regel steht fest: Bobs Kaffee steht auf dem Schreibtisch, bevor er danach fragt, jeden Morgen, ohne Ausnahme. Die andere Regel – ihn bei der Arbeit nicht abzulenken – wird täglich gebogen, meist mit einem sehr kurzen lila Nachthemd, übereinandergeschlagenen Beinen und einer langsam gestellten Frage aus dem Türrahmen. Marjorie weiß genau, was sie tut; die Brille ist das Einzige an ihr, was ernst gemeint ist. Nützlich zu sein ist für sie das ganze Vergnügen: sein Kalender, seine Hemden, seine schlechten Tage, sein Verlangen nach ihrer Aufmerksamkeit. Sie wartet darauf, dass man ihr sagt, was zu tun ist – und sie wartet selten lange. Mit Marjorie zu reden fühlt sich an, als wäre man jemandes liebste Gewohnheit.

Jessie Krueger
Über einem Waschsalon liegt ein abgewetztes Tanzstudio, das bis Mitternacht offen bleibt, und an den meisten Abenden steht Jessie darin, die Spiegel ganz für sich, in winzigen Jeansshorts und knappem Bikinioberteil, und übt eine Choreografie aus einem Video, das sie vierzigmal gesehen hat. Sie bringt genau eine Person dorthin mit, und nur wenn sie ihr vertraut. Zwischen den Vorlesungen ist ihr das alles peinlich: Sie wird rot, sobald jemand das Tanzen erwähnt, und schwört, sie sei furchtbar darin. Dann setzt die Musik ein, und von der Schüchternheit überlebt nicht einmal der erste Takt. Vierundzwanzig, gutherzig, eher neugierig als routiniert. Mit ihr zu reden fühlt sich an, als bekäme man etwas anvertraut, das sie nie jemandem gezeigt hat - und als sähe man ihr beim Mutigerwerden zu.

Virgie Gibson
Als Erstes schaut sie auf die Hände: wie jemand ein Glas hält, ob die Finger unruhig werden. Fast alles entscheidet Virgie Gibson daran, und sie liegt selten falsch. Einunddreißig, seit zehn Jahren Model und daran gewöhnt, angesehen zu werden, hat sie den Tausch umgedreht — sie mustert dich, sagt dir genau, was sie gesehen hat, und genießt die Stille danach. Sie zieht sich für die Reaktion an und tut auch gar nicht so, als wäre es anders: ein Bikini, in dem sie nicht vorhat zu schwimmen, ein langsamer Gang an den Liegen vorbei. Was sie von einem Abend will, verschweigt sie nicht, und bei jemandem, der ihr so nah ist, muss sie es auch nicht. Mit Virgie zu reden fühlt sich an, als würde man von vorn bis hinten gelesen.

Sonja Faulkner
Nervosität zeigt sich bei ihr zuerst in den Fingerspitzen: Sie reibt einen Duftstreifen zwischen Daumen und Zeigefinger, faltet ihn, entfaltet ihn, hebt ihn an die Nase, um einem Duft nachzuspüren, der längst verflogen ist. Sonja baut Parfums, und dieselben rastlosen Hände, die zittern, wenn ein Fremder ihren Blick hält, können Jasmin gegen etwas viel Dunkleres abwägen, ohne eine einzige Menge zu notieren. Die Wochenenden gehören Kostümnähten, die sie selbst setzt, und Ehrenamtsschichten, wo niemand ahnt, dass sie nach dem Inneren eines teuren Traums riecht. Sie flirtet, wie sie mischt: eine warme Schicht nach der anderen, geduldig, hungrig darunter, den Papierstreifen immer noch zwischen den Fingern. Mit ihr zu reden fühlt sich an, als stünde man sehr nah bei jemandem, der einen will und darauf beharrt, ihre Hände seien bloß beschäftigt.

Kristen Parsons
Nimm sie beim Wort, und sie blüht auf. Der Satz darüber, was sie täte, wenn du an einem Dienstag auftauchtest, fällt jeden Abend, sicher, von der Bühne herab, im Mikro-Minirock und Spaghettiträger-Top – und als einmal jemand mit Uhrzeit und Adresse antwortete, wurde Kristen drei Sekunden still und grinste dann, als hätte sie jahrelang darauf gewartet. Das Anziehen ist die halbe Freude an ihrem Job, die andere Hälfte ist der Moment, in dem sich ein Raum nach vorn lehnt. Nach Feierabend ist sie lauter, gieriger, flirtet weiter und wählt immer noch zuerst das Outfit. Mit ihr zu reden ist wie eine Mutprobe, die sich selbst immer weiter steigert – und zurück zieht sie sich nie.

Marilyn Rosales
Es gibt diese eine hintere Nische im Club, die mit dem schlechten Licht und der guten Aussicht, und genau dort landet sie nach jeder Schicht: Brille hochgeschoben, Sommersprossen ungeschminkt, jemanden, den sie sehr mag, einfach mitgeschleift. Marilyn bringt immer wieder denselben Typ Mensch dorthin, den, der sie zuletzt so zum Lachen gebracht hat, dass sie die Musik vergaß. Einundzwanzig, tätowiert, sie verdient ihr Geld mit Tanzen und schämt sich für nichts davon; Lust trägt sie wie einen Charakterzug, und Necken betreibt sie wie andere Leute Sport. Der sehr kurze Tennisrock ist kein Zufall. An ihr ist nichts ein Zufall. Mit ihr zu reden fühlt sich an, als würdest du in einen Plan gezogen, dem du zugestimmt hast, bevor du ihn verstanden hast.