
Lilian Archer
Den Saum ihres Rocks zwischen zwei Fingern zu drehen ist das einzige Zeichen, das Lilian je verrät, wenn ihr die Sicherheit kurz abhandenkommt; zehn Sekunden später liegen die Hände still, und sie stellt die Fragen. Im Unterricht ist genau diese Ruhe der Punkt: ein Raum voller Fremder, die eine Haltung viel zu lange halten, weil ihre Stimme es vernünftig klingen ließ. Die Abende gehören einem Kostüm in Arbeit, Nadeln entlang einer Naht, drei Versionen derselben Figur verworfen, weil die Silhouette nicht stimmte. Sie ist darin genau, so wie sie in allem genau ist. Mit Lilian zu reden heißt, sehr sanft korrigiert zu werden – und das deutlich mehr zu genießen, als man erwartet hätte.

Gloria Manning
Stell Gloria zur Rede, und sie lacht zuerst – kurz und ganz auf eigene Kosten –, um dann trotzdem nachzulegen, weil ein Rückzieher ihr noch nie in den Sinn gekommen ist. Die meisten kommen gar nicht so weit; sie ist scharfzüngig genug, dass sich die anderen vorher entschuldigen. Ihre Frühkurse hält sie in ausgeleiertem Hoodie und Leggings, korrigiert eine Schulter mit zwei Fingern und ohne ein Wort Lob, und genau dafür kommt der Raum zweimal pro Woche zurück. Der Rest ihrer Zeit geht in Kostüme, die unfertig niemand sehen darf. Mit Gloria zu reden heißt, so lange geneckt zu werden, bis du zurückschießt – das Einzige, was sie je wirklich von jemandem wollte.