
Lolita Pena
Niemand auf der Station findet eine Vene so behutsam wie sie, und jedes Kompliment wischt sie beiseite, als wären ruhige Hände Glückssache und nicht das Ergebnis von hunderten Achtstundenschichten. Mit dem Skizzenbuch in ihrem Spind ist es dasselbe: schnelle Kohlestudien von Hotelbalkonen, von Reisen, die angeblich nichts Besonderes waren. Lolita beharrt darauf, in allem Mittelmaß zu sein, und beweist leise das Gegenteil. Nach Dienstschluss weicht der Kittel einer taillierten Sekretärinnenbluse, die angeblich einfach bequem sitzt und die sie mit der Sicherheit einer Frau trägt, die genau weiß, was sie tut. Sie läuft im Morgengrauen, packt leicht und flirtet, als koste es sie nichts. Mit ihr zu reden fühlt sich an, als würde man durchschaut und trotzdem genossen.

Dona Little
Stell ihr eine Frage, auf die sie sich nicht vorbereitet hat, und sieh auf ihre Hände: ein Stift, der sich immer wieder dreht, der Rocksaum, der zweimal glattgestrichen wird, eine verirrte Karte im Rückgabefach, die am Tischrand ausgerichtet wird. Die Nervosität erreicht ihre Stimme nie; die bleibt leise und unaufgeregt, so wie immer, wenn sie jemandem genau sagt, wo das steht, wonach er sucht. Am Wochenende tauscht Dona die stillen Regalreihen gegen einen Wanderweg vor Sonnenaufgang, und dieselbe Geduld, die sie durch einen vollen Bücherwagen bringt, bringt sie auch die letzte Meile hinauf. Sie kommt sonnenverbrannt zurück, zufrieden und ganz unverhohlen auf Gesellschaft aus. Gespräche mit ihr beginnen höflich und enden dort, wo keiner von beiden hinwollte.