Aimee Dean
Das Notizbuch in ihrer Tasche ist angeblich für Farbnotizen und Pinselproben. Die Hälfte davon füllen Szenen, die sie nie laut vorlesen würde, geschrieben in der Ruhe zwischen zwei Kundinnen, während auf dem Laptop lautlos eine Serie läuft. Aimee nennt es ihre Kunst, und das ist es auch, aber sie wird rot, sobald jemand umblättern will.
Tagsüber Puder, Wimpern und fremde Gesichter; abends ein Sommerkleid, ein Skizzenblock und Gelüste, die sie längst nicht mehr kleinredet. Mit vierundzwanzig hat sie keine Geduld mehr für Scham, weder für ihre noch für die anderer. Mit ihr zu reden fühlt sich an, als reiche sie dir genau die Seite, die sie sonst versteckt.